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Marco Sturm gibt seinen Posten als Eishockey-Bundestrainer auf, um Assistenzcoach bei den Los Angeles Kings in der

Engagement bei den Los Angeles Kings

Sturms Wechsel in die NHL - einmalige Chance

Marco Sturm gibt seinen Posten als Eishockey-Bundestrainer auf, um Assistenzcoach bei den Los Angeles Kings in der NHL zu werden. Was auf den ersten Blick wie eine Abwertung des Deutschen Eishockeys wirkt, ist keine.

Dass man für den Posten als Assistenzcoach - auch wenn die NHL unbestritten die mit Abstand beste Eishockey-Liga der Welt ist - "einfach so" den Bundestrainerposten abgibt, erscheint auf den ersten Blick etwas befremdlich.

Vor allem, weil auch der Deutsche Eishockey Bund (DEB) in seinen Statements zur Freigabe von Sturm nicht den Hauch eines Zweifels daran lässt, dass man ihm "diese Chance nicht verbauen" könne. Man stellt sich unweigerlich die Frage: Ist der Bundestrainerposten so wenig wert?

Parallelen in der NBA

Nein. Tatsächlich ist dieser Vorgang bei den sogenannten "US-Sportarten" wie Eishockey, Basketball, Baseball und American Football eher völlig normal. Einen populären Querverweis aus der jüngeren Vergangenheit gibt es aus dem Basketball: Chris Fleming war seit 2014 Bundestrainer und trainierte parallel dazu als Assistenzcoach in der NBA die Denver Nuggets, ab 2016 dann in gleicher Rolle die Brooklyn Nets. Als die Terminkollisionen 2017 dann immer häufiger zu werden drohten, musste Fleming sich entscheiden - und wählte die NBA.

Ähnlich und sogar noch erfolgreicher verlief der Weg von Igor Kokoskov. Der Serbe war jahrelang Assistenzcoach in der NBA bei verschiedenen Teams, trainierte parallel dazu immer wieder auch Nationalmannschaften und feierte 2017 mit Slowenien sogar den Gewinn der Basketball-EM. Danach trat er beim besten Team Europas zurück und konzentrierte sich auf seine Arbeit als Co-Trainer der Utah Jazz - seit der Spielzeit 2018/19 ist er bei den Phoenix Suns der erste europäische Headcoach überhaupt in der stärksten Basketball-Liga der Welt.

Lob und große Lücke

Die Anfrage, die die Kings, aktuell Tabellenletzter der Western Conference, an ihren ehemaligen Spieler Sturm stellten, darf also vor allem als Lob für dessen Arbeit als Bundestrainer und dementsprechend auch die des Deutschen Eishockey Bundes verstanden werden. Die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 war der Höhepunkt der Neuausrichtung, die Sturm seit Amtsantritt vorangetrieben hatte und eben das beste Ergebnis einer Deutschen Nationalmannschaft bei Olympia überhaupt - 2014 war das Team nicht einmal qualifiziert gewesen.

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Mit seinem guten Draht zu den NHL-Spielern hatte Sturm neben der konzeptionellen Neuausrichtung auch dafür sorgen können, dass die deutschen Legionäre wieder regelmäßig bei der DEB-Auswahl erschienen. Dass das auch in Zukunft passiert, dürfte eine der größten Herausforderungen für den Verband sein, die zweite ist eben, jemanden mit genug Know-How und einem ähnlichen Konzept zu finden, der Sturms Weg weitergeht, ihn weiterentwickelt, ohne alles auf den Kopf zu stellen. Im Mai steht die nächste Weltmeisterschaft an.

Die Suche könnte schwierig werden. DEB-Präsident Franz Reindl meinte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zwar: "Wir haben da keinen Zeitdruck. Jetzt zählt erst einmal nur der Deutschland Cup, danach beginnen wir mit der Sondierung", doch direkt nach dem Turnier, das am 11. November endet, wird Sturm eben auch nicht mehr zur Verfügung stehen - eine Hängepartie will sich niemand antun, aber eben auch keinen Schnellschuss.

Assistenzposten als Sprungbrett zum Chef?

In der Sportstadt Los Angeles wird Sturm Assistent von Willie Desjardins, der erst einmal interimsweise bis Saisonende das Amt als Chefcoach ausführen soll. Der 61-Jährige war bei den Olympischen Spielen Trainer der kanadischen Auswahl gewesen, die einen Platz hinter Deutschland auf Rang drei landete. Bei den Vancouver Canucks war Desjardins von 2014 bis 2017 bereits Cheftrainer in der NHL. Dass sein Vertrag nun nur bis zum Saisonende läuft, ist nicht ungewöhnlich bei einer Amtsübernahme mitten in der Saison, lässt aber auch aufhorchen.

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Denn hört man sich im Umfeld der Kings um und schaut man in die Kommentarspalten in den entsprechenden Social-Media-Kanälen, deutet sich an, dass viele Fans gerne Sturm bereits jetzt als Cheftrainer ihres Teams gesehen hätten. Als junger, neuer Coach auf NHL-Niveau - auch wenn Sturm als Spieler mit über 1.000 Einsätzen ein echter NHL-Veteran ist - direkt als Chef einzusteigen und dann auch noch mitten in der Saison bei einem kriselnden Team wäre allerdings wohl keine wirklich dankbare Situation gewesen.

Dementsprechend ergibt die Konstellation Desjardins-Sturm durchaus Sinn - Sturm kann sich von einem erfahrenen Mann einige Kniffe abschauen, die Liga aus Trainersicht kennenlernen und steht dabei nicht direkt so unter Druck wie der Cheftrainer.

Einmalige Gelegenheit

Auf lange Sicht gesehen dürfte Sturm, dessen sportliche Ambitionen schon während seiner aktiven Karriere, in der er einmal sogar ins NHL-All-Star-Game berufen wurde, die allerhöchsten waren, also auf ein Engagement als Chefoach in der NHL hinarbeiten. Die Chance, die ihm die Kings bieten, ist also tatsächlich eine solche - und die muss er ergreifen, denn sie kommt möglicherweise so schnell nicht wieder.

Erst als zweiter Deutscher überhaupt wird er ein Traineramt in der NHL bekleiden. Ralph Krüger war 2012 bis 2013 erst Assistenz-, dann Cheftrainer der Edmonton Oilers. Aktuell sind alle Chefcoaches der Liga entweder Kanadier oder US-Amerikaner. Es ist eine möglicherweise einmalige Gelegenheit.

Stand: 05.11.2018, 11:07

   
05.11.2018 11:07    Kommentare: 0    Kategorien: Sonstige News      Stichwoerter: marco sturm  nhl  trainer  deutschland/international  
 
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